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Das Zwergloch
bei Marlesreuth
Der verstorbene Pfarrer
Sedler zu Selbitz erzählte in einer Relation vom 15. Juli 1684 folgendes,
so sich vor seiner
Zeit zugetragen.
Zwischen Selbitz und
Marlesreuth, und zwar auf den Marlesreuther Gütern, ist ein Loch im
Gehölz zu finden, das
insgemein das Zwergloch
genannt wird, weil ehedessen, vor mehr als hundert Jahren Zwerge allda
gewohnt und unter
der Erden sich aufgehalten
haben sollen, die da in Naila gewisse Einwohner an sich gewöhnt gehabt,
daß sie ihnen ihre
Notdurft zugetragen
haben.
Wie dann von zwei
alten, ehrlichen und glaubwürdigen Männern, nämlich Albert
Steffeln, seines Alters 70, der den 30.
Juni 1680 zu Marlesreuth
begraben, dann auch Hannsen Rohmann, aetatis 63 und den 6. März 1679
zu Marlesreuth
begraben, etlichmal
berichtet worden, daß jetztgedachten Rohmanns Großvater mit
zwei Pferden nahe an diesem Loch
auf seinem Acker -
welches Gut und Feld noch ein Enkel anjetzt, Simon Rohmann besitzet - geackert,
dem sein Weib
ein neu gebackenes
Brot zum Frühstück gebracht und am Rain niedergeleget, in ein
Tüchlein gebunden und ihre Wege,
Gras an den nächstgelegenen
Wiesen mit nach Hause zu nehmen, gegangen sei, bald ein Zwergweiblein gegangen
kom-
men, ihn, den Ackersmann,
um sein Brot angesprochen, er wäre noch nicht hungrig, sie aber hätte
ihr Brot im Back-
ofen, ihre Kinder
wären hungrig und könnten nicht erwarten bis es fertig würde,
er solle ihrs für ihre Kinder lassen, sie
wolle es auf den Mittag
zurückerstatten, welches gedachter alter Rohmann gerne gewilligt und
das Brot überlassen.
Auf den Mittag ist
das Weiblein wiedergekommen und hat ihm einen Kuchen von ihrem Brot noch
warm gebracht,
auf ein sehr weißes
Tuch geleget und ihm Dank gesaget, mit Vermelden, er solle das Brot nach
seiner Gelegenheit
wegnehmen und ohne
Scheu genießen, ihr Tüchlein aber liegenlassen, sie wolle es
schon abholen, welches auch also
erfolget, worauf die
Zwergin sagte, es würden soviel Hammerwerke in der Gegend aufgerichtet,
daß sie dadurch
beunruhigt, müßten
also weichen und ihren bequemen Sitz verlassen; auch vertriebe sie das
Schwören und große
Fluchen, das so gemein
unter den Leuten würde; wie auch die Sabbatsentheiligung, da ein jeder
Hausvater früh vor
der Kirchenbesuchung
am Sonntag auf das Feld liefe und seine Früchte beschaute, was ganz
sündlich wäre.
Bem. Unsere Heimat 1956; Nr.11:
G. Mörtel, Die Zwerge bei Naila. (Abdruck aus J. C. Pachelbel, Ausführliche
Beschreibung des
Fichtelberges 1716 Leipzig)
Darin als Fortsetzung
dieser Sage: " Vor etlich wenig Jahren hätte sich an einem Sonntagnachmittag
unterschiedliche
junge Bauernknechte
von Marlesreuth zusammengerottet, Schleißenspäne zu sich genommen,
zum Loch gegangen,
Licht gemachet, und
da hineingekrochen, umb solches zu besehen, da sie dann bald aufrechtes
unter der Erde gehen
können, bald
gebucket, bald gar kriechen müssen, weil der Gang in etwas verfallen.
Als sie nun ein paar Ackerlängen
gekommen, hätten
sie einen weiten Platz angetroffen, aufs netteste mit Felsen ausgearbeitet,
höher als mannshoch und
recht in viereckichter
Forme, da auf jeder Seite viel kleine Türlein eingegangen und gleich
wie Kämmerlein gewesen,
welche sie zu Teil
besehen, und damit sie das rechte Loch nicht vergessen möchten, einen
mit einem Licht in den
Eingang stehen lassen,
darauf sie sämtlich ein Grausen ankommen, und sie darauf wieder zurückgegangen,
und etliche
Tage übel aufgewesen,
doch habe es keinem nichts geschadet, un so viel hätte er, Pfarrer,
aus der Relation der beeden
alten und noch anderer,
die am Leben, und zum Teil mit im Loch gewesen.
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Das Zwergloch bei Marlesreuth
Zwischen Selbitz und
Marlesreuth (bei Naila) befindet sich im Wald eine Felsenhöhle. Man
heißt sie das Zwergloch.
Hier unterm Felsen
wohnten vor mehr als hundert Jahren Zwerge, die mit den Bewohnern der Ortschaft
Naila
Verkehr hatten.
Zwei redliche und
glaubwürdige Männer aus Marlesreuth, Albert Neffel und Hans Kohmann,
die dort in hohem Alter
in den Jahren 1679/80
starben, haben darüber dem Pfarrer Hedler zu Selbitz am 15. Juli 1654
folgenden Bericht
abgestattet:
Kohmanns Großvater
fuhr einst mit zwei Pferden auf seinen Acker in der Nähe des Zwerglochs.
Sein Weib hatte ihm
zum Frühstück ein neugebackenes Brot gebracht, es in ein Tuch
gewickelt an den Rain gelegt
und war nach Gras
auf die Wiese gegangen. Da kommt in einer Weile ein Zwergweiblein
und bittet den Ackersmann,
ihm das Brot zu geben,
das ihrige läge noch im Ofen, die hungrigen Kinder aber könnten
nicht abwarten,
bis es fertig wäre,
mittags wollte sie's richtig zurückerstatten. –
Der alte Kohmann hat
dem Weiblein das Brot herzlich gern gegeben.
Mittags kommt darauf
die Zwergin wieder und bringt einen noch warmen Kuchen auf sehr weißem
Tuch,
reicht ihn jenem mit
Dank und sagt, er möge das Brot nehmen und ohne Scheu genießen,
ihr Tüchlein aber liegen lassen,
da sie es selbst abholen
würde. Dies ist auch geschehen.
Und das Weiblein hat
hinzugefügt, nun müßten sie bald scheiden und ihren bequemen
Sitz hier verlassen,
denn es würden
so viele Hammerwerke in der Gegend aufgerichtet, die sie beunruhigten;
auch vertreibe sie
das viele Schwören und Fluchen der Menschen umher, gleich wie die
Sabbatsentheiligung,
wo die Hausväter
vor der Frühsonntagskirche aufs Feld gingen und die Früchte beschauten,
was doch sündlich wäre.
An einem Sonntag sind
einmal etliche junge Marlesreuther Bauern mit Lichtern in die Zwergenwohnung
bald aufrecht,
bald gebückt,
eingedrungen und nach langem Gehen endlich auf einen geräumigen Platz
gelangt,
der in viereckiger
Form und zierlich mit Felsen ausgearbeitet war.
Nach allen Seiten
hin haben sie vier kleine Türen und Kämmerlein gefunden und zum
Teil besehen.
Da ist ihnen aber
ein Grausen angekommen, sie haben den Rückweg wieder gesucht und sind
alle einige Tage
unwohl gewesen.
Quelle: www.gutenberg2000.de/schoeppn/bysagen/bys0184.htm |